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Europäisches Klassifizierungssystem

Das europäische Klassifizierungssystem zum Brandschutz wurde im Jahre 2001 vom europäischen Komitee für Normung (CEN) mit der Normenreihe EN 13501(in Deutschland mit DIN EN 13501-1 im Jahre 2002 eingeführt) verabschiedet. Es legt europaweit einheitliche Anforderungen für den Brandschutz fest – mit dem Ziel, den freien Handel von Bauprodukten europaweit zu ermöglichen.

Für Bauprodukte mit brandschutztechnischen Anforderungen wird in der Klassifizierung bzgl. des Brandverhaltens unterschieden zwischen.

  • Feuerwiderstand von Bauteilen (fire resistance) und
  • Brandverhalten von Baustoffen (reaction to fire).

Feuerwiderstand von Bauteilen

Der Feuerwiderstand gibt an, wie gut ein Bauelement für eine festgelegte Zeit Feuer zurückhalten und das Ausbreiten des Feuers verhindern kann – und sozusagen als Schutzschild funktioniert. Feuerwiderstand ist ein extrem wichtiges Merkmal, zum Beispiel für Trennwände oder Lüftungskanäle, durch die das Feuer durchdringen kann.

Die Basiskriterien, zur Charakterisierung (Beschreibung) eines Produkts bzgl. des Feuerwiderstandes sind:

R (Résistance) Tragfähigkeit (die Stärke und Stabilität des Gebäudes unterstützen)
E (Étanchéité) Raumabschluss (den Gebäudeteil intakt halten)
I (Isolation) Wärmedämmung (die Temperatur niedrig halten unter Brandeinwirkung)

Ergänzend zu diesen drei Basiskriterien gibt es eine Vielzahl anderer, die zusätzliche Angaben zur Klassifizierung des Feuerwiderstandes machen, wie z. B.

W: Radiation, Begrenzung des Strahlendurchtritts
M: Mechanical, Mechanische Einwirkung auf Wände, Stoßbeanspruchung
S: Smoke, Begrenzung der Rauchdurchlässigkeit, Dichtheit, Leckrate
G: Rußwiderstand
C: Closing, selbstschließende Eigenschaft
P: Aufrechterhaltung der Energieversorgung und/oder Signalübermittlung

Brandverhalten von Baustoffen

Die europäische Norm DIN EN 13501-1 legt die Verfahren zur Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen fest. Im Vergleich zur nationalen Klassifizierung nach DIN 4102-1 beinhaltet das europäische System eine Vielzahl von Klassen und Kombinationen.
Das Klassifizierungssystem der EU sieht insgesamt sieben Euroklassen vor (Euroklassen A1, A2 und B bis F) und baut auf vier verschiedenen Prüfverfahren und einem so genannten Referenzszenario auf. Grundsätzlich werden drei Eigenschaften zum Brandverhalten bei der Prüfung berücksichtigt:

  • Feuerüberschlag
  • Rauchentwicklung
  • Brennendes Abtropfen

Feuerüberschlag

Es ist ein großer Unterschied, ob Bauprodukte zu einem Feuerüberschlag (Flashover) führen oder nicht. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass die Feuerwehr, nachdem der Brand bemerkt wurde, im Schnitt 15 – 20 Minuten benötigt, um am Einsatzort einzutreffen. Bauprodukte der Euroklassen A1 und A2 (nichtbrennbar) sowie B (schwerentflammbar) können nicht zu einem Flashover beitragen, während die brennbaren Produkte der Klasse C, D oder E unterschiedlich schnell zu einem Flashover führen. Leicht entflammbare Produkte der Klasse F werden nicht getestet.

Neue Unterklassen für Rauch und brennendes Abtropfen

Zahlreiche Katastrophen, wie z. B. der verheerende Brand am Düsseldorfer Flughafen in 1996, haben gezeigt, dass nicht nur Feuer allein eine Gefahr darstellt, sondern giftige Rauchgase Menschen umkommen lassen.

In Deutschland wurde die Rauchentwicklung bisher nur für Baustoffe, die ohnehin als „nichtbrennbar" klassifiziert sind, begrenzt. Nach dem europäischen Klassifizierungssystem wird die Rauchentwicklung in den Klassen A2 bis D getestet. Hier gibt es drei Intensitätsstufen: s1, s2 und s3.

In der Klasse Brennendes Abtropfen / Abfallen werden ebenfalls Baumaterialien der Klassen A2 bis einschließlich E getestet. Hier sind es die drei Klassen: d0, d1 und d2.

Das SBI-Prüfverfahren

Den Kern der Prüfung bildet der SBI-Test („single burning item"=„einzelner brennbarer Gegenstand"), ein Prüfverfahren mittleren Maßstabs. Generell gilt aber, je größer der Maßstab des Brandprüfverfahrens, um so realitätsnaher und zuverlässiger sind die Ergebnisse. Aus diesem Grund beruhen die Grenzwerte der Euroklassen A1 bis E auf den Ergebnissen eines Prüfverfahrens im Großmaßstab, dem Room Corner Test nach ISO 9705. Anhand der Ergebnisse aus diesem Room Corner Test werden die getesteten Produkte in die entsprechenden Euroklassen eingeteilt. Da es aber nur schwer realisierbar ist, alle Bauprodukte in diesem Großversuch zu testen, hat man ein neues Prüfverfahren entwickelt, dem sich die Euroklassen A2 bis D unterziehen müssen.

Da einige technische Details dieses Testverfahrens noch ungeklärt bzw. umstritten sind, sind die Ergebnisse dieses Tests in Deutschland bauaufsichtlich bisher nur bedingt akzeptiert.

Welches Sicherheitsniveau ist anzuwenden?

Mit Veröffentlichung in der Bauregelliste 2002/1 ist das europäische Klassifizierungssystem in das deutsche Baurecht eingeführt worden. Für eine Übergangsfrist sind jedoch das nationale deutsche und das europäische Klassifizierungssystem für Baustoffe gleichermaßen anzuwenden.

Die nachstehende Tabelle gibt die Zuordnung der europäischen Klassifizierung zu den bauaufsichtlichen Anforderungen an.